Dorferneuerung in Albersweiler „Gemeinsam leben, gemeinsam planen“

Unter dem Motto „gemeinsam Leben, gemeinsam planen“ beschäftigen sich Albersweilerer Bürger mit der Zukunft ihres Dorfes.

Wo liegen die Stärken und Schwächen von Albersweiler, was kann und muss verbessert werden und wie soll es schließlich umgesetzt werden, waren zentrale Fragen, die es galt im Rahmen von Workshops und Arbeitsgruppentreffen gemeinsam mit den Planern der TU Kaiserslautern, Herrn Prof. Hans Dennhardt und Dipl.-Ing. Christian Pörsch zu erörtern.

Worum geht es bei der Dorferneuerung?
Die Dorferneuerung hat das Ziel, die Gemeinde für die Zukunft „fit“ zu machen und  günstige Voraussetzungen zu schaffen, damit Albersweiler auch morgen noch lebenswürdig für Jung und Alt bleibt.

Den Einstieg in die Dorferneuerung bildet die sog. Dorfmoderation, bei der es darum geht, gemeinsam mit den Bürgern und Gemeindevertretern
- Stärken/Schwächen und Chancen/Risiken der Gemeinde festzustellen,
- wichtige Themen und Handlungsschwerpunkte aufzuzeigen,
- Leitbilder und Zielvorstellungen für die Gemeindeentwicklung abzuleiten sowie
- konkrete Projekte und Maßnahmen zu erarbeiten.

Die Ergebnisse der Dorfmoderation fließen schließlich in das sog. Dorferneuerungskonzept, das vom Gemeinderat verabschiedet wird, das die Richtung der zukünftigen Dorfentwicklung vorgibt und die Grundlage für öffentliche und private Investitionen in der Gemeinde bildet.

Was bisher geschah!
Den Auftakt zur Dorferneuerung bildete eine Bürgerinformationsveranstaltung, die im November 2005 stattfand. Rund 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen im katholischen Pfarrheim zusammen, diskutierten untereinander und legten Themen und Aufgaben  fest, die es galt im Laufe des weiteren Bearbeitungsprozesses näher zu durchleuchten.  Zum Abschluss der Veranstaltung wurden schließlich Arbeitsgruppen zu folgenden Themen gebildet:
1. „Altbausubstanz und Ortsbild“
2. „Verkehr- und Freiflächen im Ort“
3. „Fremdenverkehr - Wasser - Wein“

Im Laufe der nachfolgenden Monate trafen sich die Arbeitsgruppen mehrmals um gemeinsam Leitlinien für die Ortserneuerung festzulegen. Mehrere Ortsbegehungen dienten dazu, sich Eindrücke von den Örtlichkeiten zu verschaffen. Über  30 engagierte Bürgerinnen und Bürger wirkten voller Elan in den Arbeitsgruppen mit und konnten schließlich über 20 Projekt- und Maßnahmenvorschläge im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung am 06. November 2006 präsentieren.


Was wollen wir angehen?

WWW – Wald, Wasser, Wein

WWW... steht in Albersweiler nicht für „World Wide Web“, sondern für „Wein, Wasser, Wald“.  Dieses prägnante Motto, das einst Studierende der Universität Kaiserslautern kreierten, spiegelt in besonderer Weise die charakteristischen Merkmale von Albersweiler wieder und wurde daher auch als übergeordnetes Leitmotiv für die Dorferneuerungsplanung ausgewählt.

Die Lage Albersweilers an der Dt. Weinstraße, die hohe Anzahl von Weingütern im Ort, sowie die umgebenden Weinlagen bilden Ansätze für eine Intensivierung des Fremdenverkehrs. Hierzu müssen jedoch örtliche Potenziale wie z.B. der Queichkanal oder der alte Steinbruch für Gäste und Bewohner erlebbar gemacht und darüber hinaus das Ortsbild gestalterisch aufgewertet werden (Wein- und Hauptstraße, Pfarrer-Hamm-Platz sowie Ortseingänge). Vor allem die örtlichen Fremdenverkehrsbetreiber, Gastronomen und Winzer sind gefordert, weiterreichende Fremdenverkehrsangebote auf hohem Niveau anzubieten. Als eine Maßnahme wäre zum Beispiel die Durchführung einer kulinarischen WWW-Wanderung (analog zu bekannten Weinlagenwanderungen) denkbar, bei der unterschiedliche Produkte aus den Weinbergen, dem Wald und dem Wasser verkostet werden könnten.

Die Wälder und Berge rund um Albersweiler eignen sich für  naturbezogene Aktivitäten wie Wandern, Nordic Walking oder Mountainbiking. Ein Nordic-Walking-Parcours wurde bereits vor kurzem teilweise eingerichtet und ein Panorama-Rundwanderweg befindet sich zur Zeit in Planung. Als zusätzliche Variante könnte ein WWW-Wanderweg eingerichtet werden, der durch die Weinlagen, den Wald sowie entlang des Wassers führt. Start- als auch Zielpunkt sollten innerhalb der Ortslage liegen, damit auch die örtlichen Betriebe partizipieren können.

Albersweilerer Kanal
Neben der Queich stellt vor allem der „Albersweilerer Kanal“ ein hervorzuhebendes Potenzial dar. Der bauliche Zustand des Gewässers, einschließlich der technischen Einbauten wie Zu- und Abläufe sowie Schleusen, muss in den kommenden Jahren erneuert und instandgesetzt werden. Darüber hinaus müssen auch die  zugänglichen und einsehbaren Randbereiche (z.B. der alte Waschplatz, oder die Freiflächen am Bahnhaltepunkt) neu gestaltet werden. Neben der Instandsetzung und Aufwertung des Gewässers ist ebenfalls die geschichtliche Bedeutung des Kanals sowohl innerhalb als auch außerhalb des Ortes zu dokumentieren (z.B. durch Schau- und Informationstafeln am Gewässer, Presseberichte, Info-Broschüren, Führungen, Vorträge, Integration in Schulunterricht, etc.).

Wein- und Hauptstraße
Die beiden innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen (Haupt- und Weinstraße) sind aus Sicht der Bürger in den kommenden Jahren anzugehen. Die Weinstraße  sollte sowohl aus Richtung Frankweiler als auch aus Richtung Birkweiler kommend verkehrsberuhigt ausgebaut werden. Dieses könnte z.B. durch den Einbau von Grüninseln in der Fahrbahn erfolgen. Des weiteren sollte das Teilstück zwischen dem ehem. Billard Cafe „Backgammon“  und dem Abzweig Kindergarten/Schule insbesondere für Fußgänger sicherer ausgebaut und eine kleine Verweilfläche im Bereich der Anwesen 62 und 64 neu gestaltet werden. Da die Weinstraße als klassifizierte Landesstraße in den Zuständigkeitsbereich des Straßen- und Landesbetriebs (LSV) fällt, sind alle angesprochenen Maßnahmen mit dem Straßenbauträger abzustimmen. Dieses soll im Frühjahr 2007 im Rahmen einer Vor-Ort-Besichtigung erfolgen.

In der Hauptstraße sind nach Ansicht der Bürger weniger die überhöhten Geschwindigkeiten das Problem, als viel mehr das Parken im Straßenraum. Vor diesem Hintergrund soll am Bahnhaltepunkt ein kleiner Entlastungsparkplatz entstehen und die Parkstände im Straßenraum neu geordnet und durch entsprechende Markierungen gekennzeichnet werden.
Neben der Neuordnung des ruhenden Verkehrs sind ebenfalls ortsbildverbessernde Maßnahmen in Form von Begrünungsinseln und Straßenüberrankungen (z.B. mit wildem Wein) vorgesehen.

Pfarrer-Hamm-Platz
Der Pfarrer-Hamm-Platz sollte aus Sicht der Bürger zu einem attraktiven Ortsmittelpunkt umgestaltet werden. Die Platzfläche ist gegenwärtig auf ihre Parkplatzfunktion reduziert und besitzt daher nur geringe Aufenthaltsqualität. Aufgrund der anliegenden Geschäfte ist ein zentraler Parkplatz an diesem Standort auch weiterhin notwendig. Allerdings könnte die zur Zeit beparkte Fläche reduziert werden, unter Beibehaltung des derzeitigen Parkplatzangebots. Dieses wäre zum einen möglich, in dem die ermittelten Dauerparker auf den Ausweichparkplatz am Bahnhaltepunkt ausgelagert werden und zum anderen die Parkstände effizienter im rückwärtigen Platzbereich (zur Queich) angeordnet werden könnten. Der vordere, zur Hauptstraße orientierte Platzbereich könnte somit als repräsentativer Platz gestaltet und als örtlicher Treffpunkt umgebaut werden.

Bahnhofsbereich/Alter Steinbruch
Der Ortseingang aus Richtung Annweiler soll aufgewertet werden. Die brachgefallene Bahnfläche sowie der dahinter liegende und größtenteils zugewucherte alte Steinbruch könnten Ansätze für eine Attraktivierung dieses Bereichs darstellen. Die Zugänglichkeit des Bereichs muss verbessert werden. Darüber hinaus müssten Freischneidemaßnahmen durchgeführt werden um die Felswand, den Teich sowie die Queich freizulegen. Ein kleiner Parkplatz in Verbindung mit einem Informationspunkt könnte eingerichtet werden und als Ausgangspunkt für Besichtigungen und Wanderungen innerhalb des Ortes und seiner Umgebung dienen. Da die Nachfrage nach Wohnmobilstellplätzen in den vergangen Jahren zugenommen hat und im Ort keine ausreichenden Freiflächen zur Verfügung stehen, könnte an diesem Standort auch ein Wohnmobilplatz eingerichtet werden. Um diese Maßnahmen realisieren zu können, muss die Gemeinde in den Besitz der Bahnflächen gelangen. Entsprechende Verkaufsverhandlungen mit der Deutschen Bahn  sind bereits im Gange. Darüber hinaus ist eine Zustimmung der Naturschutzbehörden unerlässlich, da das Gebiet des alten Steinbruchs unter Naturschutz steht.  

Nördlich der Bahngleise soll ein Park & Ride Platz sowie eine Buswendeschleife in den kommenden Jahren entstehen. In diesem Zusammenhang ist auch eine Verlagerung des Queichtalradwanderwegs denkbar. Der Radweg führt im westlichen Ortsbereich über die stark befahrene Hauptstraße. Da dieses eine Gefahr für Radfahrer darstellt, soll nach Plänen der Arbeitsgruppen der Radweg von Queichhambach kommend parallel zu den Bahngleisen und weiter über die Kanalstraße geführt werden.

Ortsbild
Neben der Gestaltung der öffentlichen Flächen ist auch das äußere Erscheinen der Gebäude und privaten Freiflächen ausschlaggebend für das Ortsbild. Unsachgemäße bauliche Veränderungen und Neubaumaßnahmen haben teilweise zu einem Verlust ortstypischer und ortsbildprägender Bauweisen geführt. Damit der Ortskern sowohl für Gäste als auch für Bewohner an Attraktivität gewinnt, müssen gestalterische Leitlinien für den Ortskern entwickelt werden. Aus Sicht der Arbeitsgruppe, sollte daher für Teilbereiche des Ortskerns (insbesondere Wein- und Hauptstraße) eine Gestaltungsfibel erarbeitet werden, die Bauwilligen Hilfestellung geben könnte. GGf. sei darüber hinaus auch eine sog. Gestaltungssatzung zu erlassen, um die Einhaltung bestimmter Gestaltungsvorgaben durchzusetzen.

Wie geht es weiter?
Dass die zuvor genannten Maßnahmen und Projekte nicht alle auf einmal in den kommenden Jahren umgesetzt werden können, ist aufgrund der angespannten Haushaltslage sicherlich jedem bewusst. Daher sind die Darstellungen vielmehr als Zielkatalog zu verstehen, der nach und nach in den kommenden Jahren abgearbeitet werden muss. Hierzu sind wir auf die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger weiterhin angewiesen.

Nachdem in der ersten Bearbeitungsphase mögliche Maßnahmen und Projekte gemeinsam erarbeitet wurden, sollen im kommenden Jahr einzelne der zuvor genannten Maßnahmen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern umgesetzt sowie weitere Projekte konkret vorbereitet werden. Folgende Maßnahmen bzw. Projekte sind für 2007 vorgesehen.

1. Kleiner Verweilplatz in der Weinstraße,
2. Flächenerwerb Bereich Bahnhaltepunkt (als Voraussetzung für weitere Maßnahmen)
3. Veranstaltungen mit Kindern/Jugendlichen (Projektwoche, Sicherer Schulweg)
4. WWW-Wanderung
5. Planung, Vorbereitung und ggf. Erprobung  folgender Projekte- bzw. Maßnahmen
 - Verkehrsberuhigung und Gestaltung Haupt-/ und Weinstraße
 - Sanierung und Gestaltung Queichkanal
 - Westlicher Ortseingang/Steinbruch/Bahngelände
 -Pfarrer-Hamm-Platz

Auch bei der Konkretisierung der Planungen sollen die Bürger weiterhin intensiv eingebunden werden!

Beratung und Förderung privater Baumaßnahmen
Als anerkannte Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung besteht in Albersweiler die Möglichkeit, dass neben öffentlichen auch private Dorferneuerungsmaßnahmen mit Mitteln der Dorferneuerung in begrenzter Höhe gefördert werden können. In Frage hierfür kommen:
- Erneuerungsmaßnahmen von ortsbildprägenden Gebäuden,
- Umnutzung leerstehender Gebäude sowie
- private Initiativen die dem Gemeinwohl der Gemeinde dienen.

Voraussetzung für eine Förderung ist, dass die Maßnahmen
- mit dem Dorferneuerungskonzept vereinbar sind,
- keine reinen Schönheitsreparaturen darstellen und
- nicht in Neubaugebieten liegen.

Für private Dorferneuerungsmaßnahmen innerhalb des Ortskerns können kostenlose Beratungsleistungen in Anspruch genommen werden, die durch Herrn Prof. Dennhardt oder Herrn Dipl.-Ing. Pörsch durchgeführt werden. Auch die Möglichkeiten der Förderung können hier erörtert werden.

Um bereits frühzeitig bedarfsgerecht planen zu können, und den zukünftigen Bedarf für Bauberatungsleistungen sowie die Höhe notwendiger Fördermittel bestimmen zu können, ist es notwendig, dass Sie uns über geplante Erneuerungsmaßnahmen in Kenntnis setzen.

Sollten Sie in den kommenden Jahren umfassende Umbau- und Erneuerungsmaßnahmen an Ihrem Gebäude oder ihrer Freifläche planen, bitte ich Sie bis spätestens    31. Januar 2007 Kontakt mit uns aufzunehmen.

Gerne können Sie auch den nachfolgenden Abschnitt benutzen, den Sie ausgefüllt im Rathaus, Hauptstraße 66,  abgeben können.

Kontakt:
Ortsbürgermeister Spieß: Tel.(priv.): 06345-3867, Tel.(dl.): 06232/172275
TU Kaiserslautern, Herr Prof. Dennhardt o. Herr Pörsch: Tel.: 0631/205-2940 o. -2951

Für Ihre Mithilfe danke ich Ihnen.

Allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich aktiv am Dorferneuerungsprozess in den Arbeitsgruppen beteiligten spreche ich meinen Dank und meine Anerkennung aus. Für jeden interessierten Einwohner besteht weiterhin die Möglichkeit sich in den Projektgruppen einzubringen.

Ihr
Ernst Spieß
Ortsbürgermeister

Kontakformular für Umbau- und Erneuerungsmaßnahmen


Besuch des Ministerpräsidenten in Albersweiler
Ortsbürgermeister Ernst Spieß konnte am Montag, 03. November, hohen Besuch in Albersweiler, der Schwerpunktgemeinde für die Dorferneuerung, begrüßen. Ministerpräsident Kurt Beck , zusammen mit Landrätin Theresia Riedmaier und Landtagsabgeordneter Alexander  Schweitzer, erkundigte sich vor Ort über den Sachstand und die Maßnahmen zur Dorferneuerung. Vor mehr als 70 interessierten Zuhörern  erläuterten Ortsbürgermeister Spieß sowie die Planer Pörsch, Rutschmann und Weber die Zielsetzungen sowie den Sachstand zur Dorferneuerung. Als zentrale Punkte im Dorferneuerungsprozess wurden die Revitalisierung des Albersweiler Kanals und die Sanierung des Bahnhaltepunktes sowie des Umfeldes zum Bahnhaltepunkt vorgestellt.
In ihren kurzen Grußworten lobten Ministerpräsident Beck und Landrätin Riedmaier, das in den letzten Jahren  in Albersweiler Geleistete und zeigten sich von den derzeitigen Zwischenergebnissen beeindruckt.
Ministerpräsident Beck signalisierte die Unterstützung der Landesregierung auch für die weiteren anstehenden Aufgaben und Maßnahmen im  Dorferneuerungsprozess.
Im Anschluss an die Präsentation im Protestantischen Gemeindehaus wurden den Gästen bei einem kleinen Rundgang nochmals die Maßnahmen an Ort und Stelle erläutert.